Coraggio – Mut

Mut ohne Angst gibt es nicht. Angst ist der Widerstand, an dem sich Mut überhaupt erst zeigt. Sie beschleunigt den Herzschlag, lässt die Hände zittern, den Atem stocken. Sie ist das Warnsystem unseres Körpers – und damit ein unverzichtbarer Teil unseres Überlebens.

In der Psychologie wird Mut nicht als Abwesenheit von Angst verstanden, sondern als Handeln trotz Angst. Forschende wie Cynthia Pury definieren Mut als eine Handlung, bei der eine Person „trotz erheblicher Angst oder Risiko ein Ziel verfolgt, das als wichtig oder wertvoll erachtet wird“ (Pury & Lopez, 2010). Angst ist also nicht das Gegenteil von Mut, sondern seine Voraussetzung.

Auch neurobiologisch zeigt sich dieser Zusammenhang: Die Amygdala, das „Angstzentrum“ im Gehirn, wird aktiv, wenn wir Gefahr oder Bedrohung wahrnehmen. Mut bedeutet nicht, dass die Amygdala schweigt – sondern dass andere Hirnareale (präfrontaler Kortex) die Angst regulieren und uns ermöglichen, trotzdem zu handeln (LeDoux, 2012).

Studien belegen zudem, dass Mut in ganz alltäglichen Situationen auftritt, nicht nur in heroischen Taten. Rate et al. (2007) beschreiben Mut als ein Spektrum: vom „alltäglichen Mut“ – etwa offen die eigene Meinung zu äußern – bis zum „großen Mut“ in Extremsituationen. Entscheidend ist immer: Es gibt eine Angst oder ein Risiko, und wir handeln trotzdem.

So verstanden, wächst Mut nicht gegen die Angst – sondern mit ihr.


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